
Es war auf einer internationalen Tagung vor fünf Jahren. Ich saß in einem überfüllten Saal und hörte zum ersten Mal von Deep Democracy. Die Vortragende Christiane Leiste sprach darüber, dass Widerstand kein Feind, sondern ein Geschenk sei. Sie sagte, dass jedes "Nein" eine Information trägt – eine Perspektive, die der Gruppe bisher gefehlt hat. Und dass nciht Konflikte das Problem sind, sondern ihre Unterdrückung. Ich fühlte mich ertappt. Beruflich war ich, sofern möfglich, Konflikten lieber aus dem Weg gegangen, als die "Wissenden" zu konfrontieren. Weil ich dachte, sie würden mein Konzept gefährden und meine persönliche Würde. Meine Entdeckung: Widerstand ist ein Kompass auf dem Weg zur Veränderung. Ich verstand, dass eine Weigerung, ein Nein zeigen kann, dass etwas Wesentliches noch unbeachtet im Raum steht. Dass Konflikte nicht gelöst werden müssen, sondern sie Erkenntnisse tragen. Und dann kam noch ein zweiter Aha-Moment: Rollen sind fluide. Jede Person in einer Gruppe kann auch stellvertretend für andere fühlen – und damit das Schwarmwissen sichtbar machen. Vom "Nein" zum "Aha" Wenn ich heute ein "Nein!" höre, frage ich nach. Wenn alle wiederholt nur nicken und zustimmen, spüre ich eher eine Unruhe. Denn dann fehlt etwas – die Reibung, die Entwicklung erst möglich macht. Ich fürchte nicht mehr den Streit, sondern eher den "Wärmetod" der Harmonie, in dem nichts Neues entstehen kann. In den Deep Democracy-Seminaren gebe ich diese Erkenntnisse weiter. Konflikte sind kein Zeichen von Schwäche oder Versagen, sondern von Lebendigkeit und Transformationspotential. Und ich halte das Weitergeben von Werkzeugen für wichtig, die Vielstimmigkeit demokratisch sichtbar machen und Demokratie-Kompetenz fördern können.

Am 9. März kamen etwa 40 Gäste aus Jugendhilfe, von Schulen, aus Kitas und vom Landratsamt nach Utting am Ammersee. Wir hatten zur "Einführung in die Haltung der Neuen Autorität" eingeladen, Bruno von SyNA und Maria vom Zentrum Neue Autorität München stellten Präsenz, Haltung und Handlungsaspekte vor, Nadine vom HeyClub leitete eine Selbstwahrnehmungs-Übung an und Julia und Aylin von Lotse e.V. aus München erzählten von der Umsetzung der Haltung in ihrer Arbeit. Die Gäste lernten ihre Präsenz situationsbezogen einzuschätzen und kamen miteinander in den Austausch. Leider blieb nicht genug Zeit um die Interviews von Carsten Haack von der TSG Gemeinschaftsschule und Ann-Katrin Lutschewitz von der Diakonie München und Oberbayern zu zeigen. Das werden wir online am 17. März nachholen. Und: es gibt ein gr0ßes Interesse an einem regionalen Netzwerk im Sinne der Neuen Autorität. Hier haben sich schon etwa 20 Interessierte angemeldet. Wir werden in späteren Beiträgen über die Entwicklung informieren... Danke an alle Gäste und Beitragenden!!!

