Wie ich die Angst vor Konflikten verlor

Maria Wiprich • 29. März 2026

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Es war auf einer internationalen Tagung vor fünf Jahren. Ich saß in einem überfüllten Saal und hörte zum ersten Mal von Deep Democracy. Die Vortragende Christiane Leiste sprach darüber, dass Widerstand kein Feind, sondern ein Geschenk sei. Sie sagte, dass jedes "Nein" eine Information trägt – eine Perspektive, die der Gruppe bisher gefehlt hat. Und dass nciht Konflikte das Problem sind, sondern ihre Unterdrückung.
Ich fühlte mich ertappt. Beruflich war ich, sofern möfglich, Konflikten lieber aus dem Weg gegangen, als die "Wissenden" zu konfrontieren. Weil ich dachte, sie würden mein Konzept gefährden und meine persönliche Würde.
Meine Entdeckung: Widerstand ist ein Kompass auf dem Weg zur Veränderung.
Ich verstand, dass eine Weigerung, ein Nein zeigen kann, dass etwas Wesentliches noch unbeachtet im Raum steht.  Dass Konflikte nicht gelöst werden müssen, sondern sie Erkenntnisse tragen.
Und dann kam noch ein zweiter Aha-Moment: Rollen sind fluide. Jede Person in einer Gruppe kann auch stellvertretend für andere fühlen – und damit das Schwarmwissen sichtbar machen.
Vom "Nein" zum "Aha"
Wenn ich heute ein "Nein!" höre, frage ich nach. Wenn alle wiederholt nur nicken und zustimmen, spüre ich eher eine Unruhe. Denn dann fehlt etwas – die Reibung, die Entwicklung erst möglich macht. Ich fürchte nicht mehr den Streit, sondern eher den "Wärmetod" der Harmonie, in dem nichts Neues entstehen kann.

In den Deep Democracy-Seminaren gebe ich diese Erkenntnisse weiter. Konflikte sind kein Zeichen von Schwäche oder Versagen, sondern von Lebendigkeit und Transformationspotential. Und ich halte das Weitergeben von Werkzeugen für wichtig, die Vielstimmigkeit demokratisch sichtbar machen und Demokratie-Kompetenz fördern können.